Heute möchte ich ein Buch empfehlen, dass ich schnell gelesen aber nicht schnell vergessen habe. Entdeckt habe ich es bei Lesen! von Elke Heidenreich. Es war in ihrer ersten Internetausgabe von Lesen!, nach ihrem Rauswurf beim ZDF. Als Gast hatte sie Campino von den toten Hosen. Zugegeben, die Weltsicht einer Elke Heidenreich ist schon reichlich anstrengend. Und was den Punk eines Campino betrifft, duftet der ja schon länger nach Weichspüler. Entsprechend war auch die "Sendung". Frau Heidenreich produzierte sich wie üblich selbst. Daneben saß als Dekoration einer der mal die Welt einreißen wollte. Doch nun ist er eben nicht mehr der Punk. Nun gehört er zu denen, über die die heutigen Punks nur milde lächeln. Oh man, plötzlich fühlte ich mich ihm verbunden. Klar er ist nicht mehr Alex. Ich aber auch schon lange nicht mehr. So wie er da auf seinem Stühlchen saß und Frau Heidenreich über sich ergehen ließ. Genauso hätte ich auch dort gesessen und selbstverständlich ihr Getöse, über Bücher die mich nicht wirklich begeistert haben, bestätigt. Ich fühlte mit diesem gebrochen Mann.
Doch dann kam Frau Heidenreich zu dem literarischen Debüt von Alina Bronsky. Und plötzlich ging eine freudige Erregung durch diese zu bemitleidende Gestalt. Man spürte es förmlich. Auf diesen Moment hatte er gewartet. Unter all den Uninteressantheiten die ihm die Frau Oberlehrerein, als Hausaufgaben, mitgegeben hatte, war dann doch etwas Besonderes. Er hatte alles gelesen, nur um nicht, allzu dumm zu wirken. Aber bei diesem Buch war es offensichtlich anders gewesen. Es war dieser kleine Blitz von Begeisterung in seinen Augen, der mich aufhorchen ließ. Noch während die selbsternannte Literaturpäpstin über Parallelwelten und die Autorin salbaderte lief über den Draht des Mitgefühls, der mich mit Campino verband, ein kleiner Stromstoß. Diese Buch muss eine elektrisierende, ja vitalisierende Wirkung haben. Dieses Buch musste ich haben.
Ich hatte mich nicht getäuscht. Dieses Buch elektrisiert tatsächlich, und das nicht nur beim ersten Lesen. Immer wenn ich es in die Hand nehme fühle ich wieder einen dieser kleinen Stromstöße. Alina Bronskiy hat mit ihrem jungen, rotzigen und frechen Schreibstil eine ordentliche Portion Energie in ihr Buch geladen. Der kann ich mich nur schwer entziehen. Es nicht so sehr die Handlung. Die ist nicht so extrem aufregend. Denn wenn auch schon am Anfang ein Mord angekündigt wird, und im Buch dann einer beschrieben wird. Die Spannung erzeugt ganz allein die Erzählweise. Man kann dieses Buch auch einfach an irgendeiner Seite aufschlagen. Sobald man dann mit mit dem Lesen beginnt, wird man in Alina Bronskys Heldin hineingezogen. Plötzlich schaut man durch die Augen dieser siebzehnjährigen Sascha. Was man dabei sieht, ist aus dieser Sicht, aufregend genug. Denn die junge Dame ist nicht gerade langsam und bedächtig. Da kommt der Kreislauf schon in Schwung wenn man mitkommen will. Das vorher Gewesene verliert man dabei sowieso schnell aus den Augen.
Aber das ist eben das schöne an diesem Buch. Wenn man etwas verpasst hat, kann man ja gerne noch einmal von vorne anfangen, oder von dort wo man den Anschluss verloren hat. Einfach zurückblättern und schon geht das Rennen mit Alina Bronsky und ihrer Sascha von Neuem los. Die Beiden sind dabei immer vorne an. Am Ende ist man jedes Mal außer Atem wie nach einem wirklichen Lauf. Doch man hat auch dieses belebende und süchtig machende Gefühl eines Adrenalin Ausstoßes. Ich kann nur sagen, mir hat das gut getan. Dem anderen alten Punk offensichtlich auch.
Also vergesst Alex, Campino und mich. Jetzt kommt Sascha!
Anmerkungen:
Scherbenpark - Roman von Alina Brosky, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch
gebunden : ISBN 978-3-462-04030-2 / Paperback : 978-3-462-04150-7
Internet - www.scherbenpark.de
Link zur Ausgabe von Lesen! - www.litcolony.de/littv/2
Nun noch etwas Werbung
Wer dieses Buch kaufen möchte sollte es am besten bei seinem lokalen Buchhändler tun.
Ich habe meines in der Buchhandlung Petras, in Berlin-Mahlsdorf gekauft.
Anschrift: Fritz- Reuter Str.12 - 12623 Berlin - Tel. 030/5675131
Wer leider keinen lokalen Buchhändler mehr hat, dem empfehle ich Micklich. Dort kann man auch über das Internet bestellen und erhält so den Buchhändler in Strausberg.
Link: www.micklich.de
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