Es ist eine weitverbreitete Unsitte, sich in der Kommunikation mit Menschen, die nicht Deutsch als Muttersprache sprechen, eines eigenartigen Deutsches zu bedienen. Woher der Glaube kommt, der jeweilige Gegenüber würde einen besser verstehen, wenn man genauso fehlerhaft spricht wie er erschließt sich mir nicht. Außerdem halte ich es auch für sehr herabwürdigend. Denn wenn ich einen Menschen achte und respektiere , dann rede ich ihn nicht in so einer Bimbosprache an. Ich gebe mir einfach etwas Mühe mit meinem Gesprächspartner. Dann kann ich ihn auch mit anständigem Deutsch erreichen.
Nun arbeite ich aber auf dem Bau. Das ist sicherlich nicht unbedingt ein Ort gepflegter Konversation. Trotzdem ist auch dort ein kollegialer Umgang miteinander gefragt. Wozu man nun wieder Achtung und Respekt benötigt. Das dieses nicht jedem gegeben ist, daran muss man sich in einer solch rauen Umgebung halt gewöhnen. Ich bin da nicht zimperlich. Flüche und Beschimpfungen lassen mich eigentlich kalt.
Wenn nun aber ausgerechnet der Polier meint, mich in seiner Version der Bimbosprache anzureden, dann nervt mich das dann doch. Im Gegensatz zu seinen “Jugos” ist Deutsch nämlich seine und meine Muttersprache. Die kann er gefälligst auch, im Rahmen seiner Möglichkeiten, bei mir anwenden. Der Rahmen seiner Möglichkeiten ist eh schon so eng, da tut eine weiter Verengung nicht not. Auch wenn er nur kurze Hauptsätze bilden kann, erwarte ich diese in der richtigen Form.
Sollte er also nächste Woche wieder mit einem Anliegen kommen, dann sollte er auch meinen letzten freundlichen Hinweis vom Freitag beachten. Denn ansonsten kann ich genauso. Dann heißt es bei mir nämlich einfach nur noch:
“Nix verstehen. Du muss machen selber Strom weg.”


2 Antworten bis jetzt ↓
1 Jakester // Jul 19, 2009 at 20:56
Howdy there,
Bin gerade ueber Duckhome auf deine Seite gestossen.
Schoen mal einen aktiven ‘Arbeiter-Kollegen’ da Draussen zu wissen.
Gruss
Jake
2 morbus kitahara // Jul 20, 2009 at 11:10
Die Anwendung der „Bimbosprache“ Fremden gegenüber scheint mir nen Ausläufer der Xenophobie zu sein. Vielleicht ist es auch dem kindische Gemüt „Andersartigen“ gegenüber überlegen erscheinen zu müssen zuzuschreiben, aus der Angst entstanden, sich selbst eingestehen zu müssen, dass man doch so wenig offen ist Neues zu akzeptieren…, oder vielleicht ist es sogar der geglaubte „Beschützer-Instinkt“, welcher auch bei Eltern weit verbreitet, sich dem Gegenüber „anpassend“, einem in die postnatale Sprachanwendung zurückverfallen lässt; aus Furcht vielleicht nicht verstanden zu werden: Dem Gegenüber helfend entgegen zu kommen. Oder die Tatsache, dass man selbst nicht gewillt ist zu verstehen; weil man schon sehr früh zu der Erkenntnis kam, dass man im Grunde seiner Seele einfach nur dumm ist. Am ehesten ist es wohl, wie schon von Dir angegeben, eine Form der Respektlosigkeit, die leider, nicht nur hier im deutschem Lande, weit verbreitet ist.
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