Warum gehen Menschen in die Sauna? Eigentlich, also in dem Fall den man als Normal bezeichnet, tun sie das um zu schwitzen, sich danach schlagartig abzukühlen, sich dann zu entspannen und so ein Gefühl, des Wohlbefindens zu erreichen. Das scheint offensichtlich, recht einfach zu sein. Man braucht, ja man sollte an diesem Ort nicht großartig kommunizieren. Es reicht einfach die Schnauze zu halten und die Tür schell zu schließen. So jedenfalls tun es die normal kultivierten Saunagänger der Prä-Wellness-Epoche.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Seit nun auch Lieschen Erteellmüller und Otto Normalproll das Wellnessen für sich entdeckt haben, ist der Weg zum Wohlbefinden erheblich beschwerlicher geworden. Denn nun hält deren Universum aus öffentlich zelibrierter Niveaulosigkeit auch in dieser kleinen Nische verknarzter Gesundheitsfanatiker und Wohlfühlegoisten Einzug. Doch wer glaubte die gutkatholisch badebehosten Kölner seine dabei schon das Ende der Fahnenstange der glaubt, wie jene auch, falsch.
Denn was Menschen aus Nordrhein-Westfalen können, das können ihre Partnerländler aus Brandenburg immer noch steigern. Beispielsweise wenn sie aus Ludwigsfelde kommen. Bei diesem Ort handelt es sich um eine dieser Häuseransammlungen hinter der urban-kulturellen Abbruchkante Berlins. Ursprünglich nur ein hässliches, kleines brandenburgische Landkaff, haben die Nazis dort später eine Fabrikation von Lastkraftwagen aufgezogen. Eigens dazu wurden dann auch die benötigten Arbeitskräfte angesiedelt. Seit diesen Tagen ist aus dem Ort ein LKW-Werk mit angeschlossenen hässlichen, aber nicht mehr ganz so kleinem, brandenburgischen Kaff geworden
Daran hat sich auch nichts geändert als man später, die für den Aufbau des Sozialismus benötigten, Möchtegern-LKW zusammenbastelte. Selbst die Erbauer blühender Landschaften konnten durch das Aufpfropfen eines schwäbischen Sterns nicht wirklich Glanz in diesen Quellort des Stumpfsinns bringen. So bauten sie aber wenigsten eine Autobahnbrücke darüber und versteckten das Elend hinter mäßig schönen, aber dafür hohen Wänden. Den Ludwigsfeldern wurde einfach verklickert, es sei wegen des Lärmschutzes. Das war einfach, denn Ludwigsfelder glauben solchen Schwachsinn.
Während nun diese Wände den vorbeibrausenden Automobilisten vor dem Anblick Ludwigsfeldes bewahren, hindern sie aber nicht die Ludwigsfelder daran, ihren erbärmlichen Ort zu verlassen. Dadurch ist man nun auch mitten im Winter und tief in der Pampas Mecklenburgs nicht mehr vor dieser Spezies sicher. Denn offensichtlich sind sie des Mallorquiner-Quälens überdrüssig geworden. Nun müssen sie den lauten Charme ihrer ludwigsfelder Selbstherrlichkeit auch an den Orten absoluter Ruhe und Erholung absondern. Diese Leute glauben doch tatsächlich, alle Anderen wären brennend daran interessiert die Überlegenheit von Atze, den seene Keule und beede ihre Muttis erleben zu dürfen. Das verwundert nicht, denn Ludwigsfelder glauben solchen Schwachsinn.
Darum verwandeln sie die Sauna denn auch in eine lustige Partyhütte. Offensichtlich eine reflexartige Handlungsweise. Denn schließlich ähneln die Wände und Decken, der Saunakabinen, ja schon ein wenig ihren, aus Obi-Brettern, zusammengehämmerten Klausen kulturfreier Gemütlichkeit. Auch das Fehlen der üblichen Acessoires, wie Lichterketten, Biermeter und handgeschmiedete Bierglashalter entlässt sie nicht aus diesem Glauben. Es ist nicht zu begreifen, aber Ludwigsfelder glauben solchen Schwachsinn.
Zu einer richtigen ludwigsfelder Party gehören auch die Beweisführung ludwigsfelder Überlegenheiten. Diese haben nichts mit Geist und Kultur zu tun. Der Ludwigsfelder hat andere Prioritäten im Leben. Denn er ist der Härteste. Er hält es am Längste in der Sauna aus, auch wenn er gleich den ganzen Aufgusseimer in den Saunaofen kippt. Er kann dabei auch noch sein, “dit is noch jarnischt, da jeht noch was” von sich rülpsen. Wenn seine Irene und Mandy es nicht mehr aushalten, dann belehrt er sie darüber, dass sie “in die Sauna abnehm könnten, ha ha…”. Das ist zwar alles Schwachsinn, doch Ludwigsfelder glauben solchen Schwachsinn.
Was bleibt ist die Erkenntnis, dass es äußerst unerholsam ist mit Ludwigsfeldern eine Sauna zu besuchen. (Achtung treten immer in mindestens Zwei-Paar-Gruppen auf) Sollte man trotzdem in diese Situation geraten hier noch ein Tipp. Wenn man nach einem Ludwigsfelder die Dusche zum Abkühlen benutzt, dann erst die Dusche wieder auf kalt stellen. Das man sich nach der Sauna kalt abduscht glauben Ludwigsfelder nämlich nicht.


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